Max Aicher Head1 Unternehmensgruppe

Jeder zweite Reichenhaller Asylbewerber absolvierte Sprachunterricht  

Caritas und Max Aicher bieten Sprachunterricht für alle Asylbewerber der Stadt Bad Reichenhall

Im Dezember 2016 startete der Deutschunterricht im Gemeinschaftsprojekt „Eine Stadt lernt Deutsch“ der Max Aicher Stiftung und der Erzdiözese München und Freising/Caritas München und BGL. Rund  85 Asylbewerber nutzten das Angebot und lernten in sechs Kursgruppen Deutsch. Insgesamt wurden in den acht Monaten etwa 2.000 Unterrichtseinheiten nach dem einheitlichen Lehrkonzept der Max Aicher Akademie BGL unterrichtet. Der Erfolg des Gemeinschaftsprojektes wurde im Rahmen des Café International der AWO mit Vergabe der Zertifikate gefeiert. Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Vertreter des Landratsamtes machten sich über das erfolgreiche Projekt ebenso ein Bild wie Rainer Hoffmann, Kreisgeschäftsführer der Caritas BGL, und Max Aicher.

Deutsch vom ersten Tag an
In den Asyl-Unterkünften von Max Aicher findet bereits seit September 2015 Deutschunterricht statt: „Deutsch vom ersten Tag an“ für alle Asylbewerber, unabhängig von Status und Herkunftsland - nach einem einheitlichen Lehrkonzept – getreu der Devise von Max Aicher: „Bildung ist das höchste Gut unserer Gesellschaft. Die Max Aicher Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die Bildung in der Region und über Grenzen hinaus zu fördern – und dazu zählen wir nicht nur Aus- und Weiterbildung von Fachkräften, sondern auch Bildungsmaßnahmen für jene Menschen, die besonders auf unsere Hilfe angewiesen sind.“ Dabei sind sich Max Aicher und die Caritas einig, dass diese große Herausforderung zur Integration der Flüchtlinge im Landkreis nur in Partnerschaft gut zu lösen ist. In enger Vernetzung und Zusammenarbeit dieser nicht alltäglichen Partner wurde dieses Angebot sichergestellt. Neben dieser Kooperation gab es weitere enge Vernetzungspartner und Zusammenarbeit von Institutionen und Partnern, von Behörden bis zu ehrenamtlich engagierten Sprachhelfern. So konnte unterstützend z.B. auch die AWO gewonnen werden, bei deren „Café International“ die Teilnehmer gefeiert wurden. Durchschnittlich lernte jeder Sprachschüler vier Tage die Woche mit gesamt etwa 520 Unterrichtseinheiten seit Projektbeginn. Ein Drittel der Teilnehmer erfüllte die Anwesenheitspflicht sowie die monatlichen Tests und erhielt nun die offiziellen Teilnahmebestätigungen. Der Malteser-Verband belohnte die Absolventen mit einem Erste Hilfe Kurs Light. „Mittlerweile wird unser Bemühen um den Spracherwerb auch durch internationale Studien bestärkt. Die Sprachförderung muss zukünftig Priorität haben, um Integration zu gewährleisten“, so Angela Aicher, die im Namen ihres Vaters, Max Aicher, vor Ort war. „Es braucht vor allem eine weitere Diversifizierung der Kurse, um den vielen unterschiedlichen Lernbedürfnissen der Asylbewerber gerecht zu werden: Alphabetisierungskurse, Intensivkurse, Eltern- und Frauenkurse und berufsbegleitende Sprachkurse“, ergänzt die Koordinatorin des Max Aicher-Deutschunterrichtes, Gabriele Bauer-Stadler. Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner fügt hinzu: „Das Erlernen der deutschen Sprache ist die zentrale Grundlage einer gelingenden Integration. Ich bin der Max Aicher Stiftung sehr dankbar, dass sie sich so intensiv und professionell in das Mega-Thema Integration einbringt!“

„Auch das Landratsamt Berchtesgadener Land begrüßt das Projekt „Eine Stadt lernt Deutsch“. Durch die Sprachförderung wird der mögliche Zugang zum Arbeitsmarkt sowie eine gelungene Integration im Allgemeinen erheblich gefördert. Die Bewohner der jeweiligen Unterkünfte, in denen der Sprachkurs angeboten wird, erhalten während der Wartezeit im Asylverfahren einen strukturierten und sinnvollen Alltag“, so Magdalena Koch, Geschäftsbereichsleiterin „Jugend, Familie und Soziales“ im Landratsamt.

Kirche, Caritas und Wirtschaft – Hand in Hand für professionellen Spracherwerb
Mit Aufnahme von ca. 1.200 Flüchtlingen im Landkreis seit Herbst 2015 stellte sich sehr bald die Frage, wie ein strukturell und fachlich professionelles Angebot abgesichert werden kann. Bis heute ist die Finanzierung fast gänzlich auf privaten Mitteln aufgebaut.
Im Winter 2016 sahen der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising und die Max Aicher Stiftung die immer stärker werdende Notwendigkeit, in einem Modellprojekt professionellen Sprachunterricht für alle Asylbewerber in Bad Reichenhall anzubieten. Viele Asylbewerber haben und hatten aufgrund von Status oder Nation nicht die Möglichkeit, einen Deutschkurs zu besuchen. Viele der zu staatlichen Kursen zugelassenen Flüchtlinge haben monatelange Wartezeiten auf freie Plätze vor sich. Vor allem ehrenamtliche Helfer wirkten an den Hilfsprojekten mit; gleichzeitig wurde immer deutlicher sichtbar, dass hier Grenzen des ehrenamtlichen Engagements (Zeiteinsatz, Intensität) erreicht werden. Der Kreisgeschäftsführer der Caritas BGL, Rainer Hoffmann ergänzt: „Nicht zuletzt wird mit einer gesicherten Basisfinanzierung und professionellen Organisation der Sprachausbildung auch das ehrenamtliche Engagement dauerhaft abgesichert. Ehrenamtliches Engagement kann dann die Stärke besonders zeigen, wenn es um individuelle Begleitung, Lernhilfe und Nachhilfe geht und ganz besonders um die Hinführung zu unserer Lebensweise und Kultur.“

Das Projekt
Bereits im November 2016 starteten die ersten Kurse. Im Werkmeisterweg und in den Räumlichkeiten der Caritas und des Pfarrzentrums paukten Männer wie Frauen aus mehr als zehn Nationen Deutsch. Unter der operativen Leitung und Koordination der Max Aicher Stiftung sahen die Stundenpläne pro Teilnehmer mindestens 16 Unterrichtseinheiten pro Woche vor. Pädagogischer Partner im Projekt war von Anfang an die Lernhilfe Oberndorf. Die regelmäßige Anwesenheit, Hausaufgaben und fixe monatliche Tests sorgen für die nötige Qualitätsprüfung und -entwicklung sowie die laufende Optimierung des Unterrichts.

Praxisveranstaltungen
Eine der Säulen im Max Aicher Lehrkonzept sieht Alltagsthemen und soziales Leben in Deutschland ebenso vor wie intensivierenden Unterricht und Praxisstunden. „Den Neubürgern unser Leben hautnah zu vermitteln, das verbinden wir neben dem theoretischen Deutschlernen mit unserem Lehrauftrag. Lernen in der Praxis, weg vom Schulalltag, hin zum Be-Greifen des Lebens, um die neue Heimat hautnah zu spüren - das ist ein echter Beitrag zur Integration“, so Bauer-Stadler. Vorträge über Gewässer und Schwimmen, oder „wie fahre ich richtig Bus mit der RVO“ gehörten genauso dazu wie der Besuch von heimischen Betrieben: Auf dem Bauernhof der Familie Huber in Saaldorf-Surheim bekamen die Asylbewerber einen Einblick in das Leben als Landwirt, im Stahlwerk Annahütte in Hammerau lernten die Asylbewerber das Thema Stahl, seine Verarbeitung und seine Bedeutung sowie den Arbeitsalltag  dort kennen.


Ausblick
Gemeinschaftliche Modellprojekte wie dieses sollen und müssen weiter geführt werden. Max Aicher dazu: „Eine Ausweitung auf zusätzliche Partner ist wünschenswert, denn: Professioneller, diversifizierter Deutschunterricht muss so frühzeitig wie möglich und so koordiniert wie möglich mit allen relevanten Institutionen angeboten werden. Er ist einheitlich für alle Zuwanderer, Flüchtlinge, und Asylbewerber zu erweitern und in der Grundstruktur aus öffentlichen Mitteln zu finanzieren. Hier sind gemeinsames Vorgehen und gemeinsame Finanzierungsmodelle zu planen und umzusetzen. Die Max Aicher Stiftung wird weiterhin den Deutschunterricht in der Region fördern.“